Schweinchenschicksal

Stellen Sie sich vor: Jemand hat 12 Ferkelchen zu viel und setzt sie kurzentschlossen im Wald aus ! So geschehen in einem Wald bei Nümbrecht mit 12 Hängebauch- bzw. Hängebauch-Mix-Schweinchen. Am 20. 10. 2003 ging der Anruf einer Spaziergängerin ein, die mit ihrem Hund in dem besagten Waldstück spazierenging. 12 Ferkelchen liefen im Wald umher. Schnelle Hilfe war angesagt. Ein freundlicher Landwirt fuhr sofort dorthin, fing mit Hilfe von zwei jungen Männern sieben Ferkelchen ein und brachte sie in einer Stallbox unter. Fünf der Winzlinge liefen noch im Wald herum und wollten sich partout nicht fangen lassen. Nette Tierfreunde richteten eine Futterstelle im Wald ein, um die Kleinen dort “sesshaft” zu machen. Sie kamen auch regelmässig zum Fressen, an ein Einfangen war aber nicht mehr zu denken, die fünf waren viel zu verängstigt.

Liebe Tierfreunde hatten die Idee, eine grosse Tonne mit Deckel mit Iso-Matte und Stroh zu füllen und als Schlafplatz aufzubauen. Nun sollten die Kleinen überlistet werden, indem wir ein Beruhigungsmittel ins Futter gaben, um sie dann, wenn sie schliefen, einsammeln zu können. Pustekuchen! Am Deckel wurde ein langer Strick befestigt, damit sollte der Deckel zugezogen werden, wenn die Ferkelchen im Schlaf überrascht würden. Auch Pustekuchen !

Nach einigen Tagen sahen wir dann nur noch zwei Schweinchen an der Futterstelle, die drei anderen waren spurlos verschwunden. Ein Spaziergänger beobachtete, dass ein Jäger seine beiden Hunde auf die Kleinen hetzte, danach wurden Schüsse gehört, aber leider nicht beobachtet, wer da geschossen hatte. (Anzeige gegen den Jäger wurde erstattet.) Jedenfalls waren nur noch zwei Ferkelchen da. Eines von ihnen lief plötzlich auf einer Strasse herum, dieses konnten wir mit viel Mühe einfangen und zu seinen Geschwistern bringen.

Das letzte, ein kleines schwarzes Hängebauchschweinchen, irrte nun mutterseelenalleine durch den Wald, kam zwar zur Futterstelle, liess sich aber weder mit List noch mit Tücke fangen. Inzwischen war die Jägerschaft ganz aufgeregt, weil sie nichts mehr “vor die Flinte” bekam, da das Schweinchen natürlich nicht erschossen werden durfte. Man bedrängte uns von allen Seiten, endlich wieder “Ruhe im Revier” einkehren zu lassen, damit wieder geschossen werden konnte. Mit Rückendeckung des zuständigen Veterinäramtes versuchten wir aber weiterhin, inzwischen verzweifelt, das Ferkelchen einzufangen. Vollkommen mutlos fütterten Tierfreunde weiter, schlichen sich immer wieder zur Futterstelle, beobachten die “Fang-Tonne”, nichts.

Heute, am 1. November, schellte bei einer Tierschützerin jemand an der Türe und meinte, sie würde ja wohl “Schweinchen sammeln”, so habe er gehört. Er habe nämlich eines im Auto ! Das letzte Schweinchen, das wir so verzweifelt zu fangen versucht hatten, war in seinem Garten herumgestreunt und hatte sich in der Hecke verfangen, so dass er es mit einem Netz einfangen konnte und zu uns brachte. Es ist so klein, dass es in eine Katzen-Box passte. Wir brachten es schnell zu seinen Geschwistern, bei denen es sich sofort voller Angst versteckte.

Die neun Schweinchen haben das Glück, alle in den “Wildpark Wiehl” einziehen zu dürfen. Voraussetzung hierfür war, dass die kleinen Eber kastriert werden, damit die Rotte nicht noch grösser und der Platz im Wildpark zu eng wird. Das ist inzwischen geschehen, so dass Tierfreunde die Ferkelchen ab ca. Mitte November im Wildpark Wiehl besuchen können.

Schade, dass die drei “verschwundenen” Schweinchen dieses Glück nicht hatten (“Danke” an die “Jägerschaft” !!)