Schatzemann

30. 10. 2012

Unser Schatzemann hat uns heute für immer verlassen. Vor einiger Zeit fiel uns auf, dass er Probleme mit seinem ihm noch verbliebenen Hinterlauf hatte. Er jaulte plötzlich auf und konnte nicht mehr weiterlaufen. Die Röntgenaufnahme ergab, dass das Kreuzband angerissen war. Katastrophe ! Er wurde mit Schmerzmitteln behandelt, und damit wurde es für ihn erträglicher, bis er in den letzten Tagen nicht mehr aufstehen konnte, das Band war nun komplett gerissen und sollte in einer Operation gerichtet werden. Die Tierärzte machten uns wenig Hoffnung, dass das Ergebnis wirklich optimal würde, Schatzemann’s Knochen standen in einem Winkel, der es nicht erlauben würde, die beste Methode,  TPLO, anzuwenden, es sollte ein Faden eingesetzt werden. Am 30. 10. frühmorgens brachten wir ihn in die Praxis und hofften und bangten, dass alles klappen würde. Eine Stunde später kam der Anruf des Tierarztes, dass Schatzemann’s Bein nicht mehr zu retten sei, weil sich in der Narkose beim Öffnen des Beins gezeigt hatte, dass zusätzlich auch noch das Kniegelenk defekt war, Schatzemann hatte eine Patella Luxation und sein armes Bein war voller schmerzender Arthrosen. Er hatte keine Chance. Die Entscheidung, die wir nun treffen mussten, fiel uns so furchtbar schwer. Dieser arme geschundene Hund, dem man in der Türkei Ohren und Rude abgeschnitten und mit Peitschenhieben traktiert hatte (die Wunden sprachen ihre eigene Sprache) sollte nun gehen, ohne je richtig gelebt zu haben. Aber ein Leben nur mit Schmerzen wollten wir nicht für diesen so liebenswerten, freundlichen und trotz allem fröhlichen Schatzemann - sein Name war Programm - und trafen mit ganz, ganz schwerem Herzen die Entscheidung, ihn über die Regenbogenbrücke gehen zu lassen. 

Das ist Kangal Schatzemann, geb. ca. Feb. 2011. Er hat in Istanbul in einer Auffangstation “gelebt”, nachdem sein rechter Hinterlauf amputiert wurde. Wir wissen nicht, was ihm passiert ist. Seine Ohren sind komplett abgeschnitten,
an seiner Rute ist herumgeschnibbelt worden, er ist klapperdürr und wurde, wie diese Narbe zeigt, auch brutal geschlagen.
Das alles würde ja schon reichen, aber nein, sein Schicksal setzt noch einen drauf. Schauen Sie sich nur seinen linken Vorderlauf an. Uns traf beinahe der Schlag als wir ihn aus seiner Box holten, in der er von Istanbul nach Köln transportiert wurde. Eine faustgroße Schwellung, die quasi handtellergroß offen, nässend, eiternd ist. Grauenhaft !
Wir waren so besorgt, dass wir unseren Tierarzt am Feiertag (1. Mai baten), sich den Schatzemann anzuschauen. Das geschah und Dr. Pingen war ebenso entsetzt wie wir, konnte uns aber erst einmal insofern beruhigen als es sich voraussichtlich nicht um ein Sarkom, wie von uns befürchtet, handelt. Wir vereinbarten sofort für den 2. Mai einen OP-Termin, damit dieses furchtbare “Ding” entfernt wird. Dabei wurde dann festgestellt, dass es sich um eine Knochenentzündung handelt (genauer lassen wir uns das erklären,wenn wir ihn am 3. Mai wieder abholen dürfen). Soweit wir das verstanden haben, sind Knochen, die da nicht hingehören, mit einem Meißel entfernt worden (ich bitte vorsorglich um Entschuldigung, wenn ich jetzt etwas falsch verstanden und geschrieben habe), und eine Drainage wurde eingesetzt, die Wunde und auch die Umgebung müssen steril gehalten werden. Was glauben Sie, wie wir heute einen Raum im Haus geschrubbt und mit desinfizierten Decken und Laken ausgelegt haben. Eine Gewebeprobe wurde zur Pathologie geschickt, die hoffentlich mit negativem Ergebnis untersucht wird. Der Heilungsverlauf wird kompliziert und langwierig werden, mindestens acht Wochen werden vergehen, bis alles - wieder hoffentlich - in Ordnung ist.

Bei all den Schmerzen und Leid, das dieser Hund erfahren hat, ist er so lieb, so freundlich, so bescheiden.

03. 05. 2012

Wie geplant, haben wir den Schatzemann heute wieder abgeholt und uns alles nochmal genau erklären lassen. Also, es handelt sich wahrscheinlich (genau weiss man das erst, wenn das Pathologie-Ergebnis da ist) um eine Knochenzubildung aufgrund einer Infektion. Diese Zubildung ist also tatsächlich herausgemeißelt worden. Schatzemann kann natürlich noch nicht so gut laufen, ist aber ein kurzes Stück zum Lösen mit hinausgegangen. Danach thronte er auf seinem Deckenberg (Körbchen will er nicht) und liess sich das Futter schmecken. Er muß ordentlich gepäppelt werden, damit er etwas auf die Rippen bekommt. In der Türkei gab es nur Brot :-( Morgen geht es zum Verbandwechsel.

07. 05. 2012

Dem Schatzemann geht es gut, die Wunde ist verheilt und evt. können am Freitag, 11. 5., die Fäden gezogen werden. Er wird immer munterer und fordert seine Streicheleinheiten ein. Auch hinaus auf die Wiese möchte er jetzt und humpelt fleissig mit :-) Er wird dreimal am Tag gefüttert, hat schon ein wenig zugenommen und sein Fell wird immer glatter.

Das Pathologie-Ergebnis ist leider noch nicht da.

10. 05. 2012:

Endlich ist das Ergebnis der pathologischen Untersuchung da, und zwar das NEGATIVE ! Das bedeutet, es handelt sich nicht um tumoröses Gewebe, sondern “nur” um eine Entzündung, die mit Antibiotikum behandelt wird. Schatzemann geht es gut, er wird immer munterer :-) und am 14. Mai werden die Fäden gezogen.

14. 05. 2012:

Heute war also Fädenziehen angesagt, nix für Schatzemann, alleine die Fahrt zum Tierarzt, Katastrophe ! Er hat uns den ganzen Weg dorthin mit seinem Gesang unterhalten, und Schatzemann hat eine sehr kräftige Stimme.

In der Praxis angekommen, wollte er - wie immer - partout nicht hinein, sondern hat sich lieber im tierärztlichen Blumenbeet auf dem Hof versteckt

Das nützte aber alles nix, die Fäden mussten raus, und das konnte Dr. Navarra auch draußen erledigen. Die Wunde ist prima verheilt, alles ok.

Wir haben unserem Schatzemann vorsichtshalber nicht erzählt, dass ihm da noch etwas in dieser Richtung bevorsteht, er ist nämlich noch nicht kastriert ...

26. 05. 2012

Unser Schatzemann hat sich supergut erholt, er ist albern und übermütig geworden und kastriert ist er inzwischen auch.

Sooo schöne Videos von Schatzemann im Freilauf gibt es hier, hier, hier und hier