Püppi u. Mignon

Zwei Pekingnesen-Damen

(von Klaudia)

Püppi und Mignon waren von August 98 bis August 99 bei uns (Pflegestelle). Erst nachdem sie in der Sendung "Tiere suchen ein Zuhause" vorgestellt wurden, konnten die Beiden vermittelt werden. Sie hatten ein zauberhaftes Wesen, und ich hätte sie am liebsten gerne behalten.

Da ich eine Geschichte über die Beiden in unserer damaligen Zeitschrift hatte, schreibe ich die Geschichte einfach ab, dann lernt Ihr sie am besten kennen.

Hallo Leute!

Darf ich uns vorstellen? Wir sind die zwei Pekingnesendamen Püppi, 7 Jahre, und ich, Mignon (sprich:mingjong), 6 Jahre. Warum Pflegemutti nicht gleich Mingjong schreibt, weiß ich nicht. Ihr gefällt die französische Schreibweise. Mignon bedeutet niedlich, allerliebst und das bin ich schließlich ja auch.

Zu unserer Pflegefamilie kamen wir im August 98. War das traurig. Frauchen ist leider verstorben, Herrchen hatte keine Zeit für uns, weil er arbeiten muß. Dann kommen wir in dieses fremde Haus, wir sind doch noch nie von zu Hause weg gewesen. Da waren Leute, die wir nicht kannten und auch noch andere Hunde, Charly, Biene und David. Wir haben die Welt nicht mehr verstanden. Wenigstens unsere Körbchen hatten wir dabei, da haben wir uns gleich reingelegt und verwirrt alles beobachtet. Gefressen haben wir nichts, nur den anderen zugeschaut. Am nächsten Tag wollten wir wieder nichts fressen. Das fand Pflegemutti nicht gut. Hat das Futter (Naßfutter) in die Hand genommen und uns die Hand hingehalten. Dann hat einer von uns, ich weiß nicht mehr wer, angefangen zu fressen. Wir haben unsere Ration abwechselnd mit der Hand gefüttert bekommen. Am nächsten Tag ging das wieder so. Danach haben wir aus dem Napf gefressen, wie die anderen Hunde auch. Jeder hat seinen eigenen Napf und seinen Futterplatz. Den muß man auch mal verteidigen. Vor allem die gefräßige Biene hat ihren Napf immer so schnell leer, dass sie Zeit hat zu gucken, ob sie nicht noch irgendwo was abstauben kann. Aber da war sie bei mir an der falschen Stelle. Gezeigt habe ich es ihr, jawohl. Die geht jetzt nicht mehr an meinen Napf. Überhaupt haben wir die anderen Hunde mittlerweile sehr gut im Griff, obwohl die alle größer sind als wir. Der David, ein 6 Monate alter Riese, auch zu Gast hier, ist sehr neugierig und kommt uns immer wieder zu nahe. Da sagen wir ihm aber Bescheid und der geht rückwärts zurück. Aber eigentlich ist er ganz lieb und Charly und Biene auch, mit denen kann man auskommen. Pflegemutti, ihr Mann, ihre Kinder Verena und Florian sind auch ganz in Ordnung. Aber wichtig für mich, ist nur Pflegemutti.

Am ersten Tag unserer Ankunft ist uns noch etwas merkwürdiges passiert. Pflegemutti hat mir ein, wie sie es nennt, Halsband umgelegt und Püppi ein Brustgeschirr. Da hat sie Leinen dran gemacht und ist mit uns rausgegangen. So was kannten wir nicht. Wir waren bei unseren "alten" Leuten immer nur im Haus und Garten. Was man da draußen alles erleben kann! Und die vielen fremden Gerüche. Das scheinen doch viele andere Hunde auch zu machen, hier draußen spazieren zu gehen. Da gibt es so viele Stellen, die man ganz intensiv erschnüffeln muß. Und dann muß man eine Nachricht hinterlassen, damit die anderen Hunde auch was zum schnüffeln haben. Das konnten wir sofort perfekt.

Aber da sind auch Dinge, die sind mir nicht geheuer. Besonders abends, wenn es dunkel ist. Da stand zum Beispiel auf dem Bürgersteig ein rotes Ungeheuer. Da bin ich vor Schreck erstarrt. Pflegemutti hat gelacht und gesagt: Das ist nur ein Motorroller. Ist die achtlos dran vorbeigegangen. Püppi auch. Na, dann muß ich wohl auch weitergehen. Aber zur Warnung habe ich gefährlich tief geknurrt. Als ich dran vorbei war, habe ich mich vorsichtig umgeschaut, aber es hat uns nicht verfolgt.

Ein anderes Mal war an der Bushaltestelle, an der wir immer vorbeigehen, ein r i e s i g e s Männergesicht (Werbeplakat). Das war vorher nie da. Bin ich wieder erschrocken stehen geblieben, habe den Mann fixiert und angebellt. Das war gut so, der Mann hat uns dann nichts getan. Das habe ich so lange gemacht, bis der Mann eines Tages wieder verschwunden war.

Lustig ist es, wenn wir an Gärten vorbeikommen in denen ein Hund ist, der natürlich bellt, wenn wir vorbeikommen. Das machen wir in unserem Garten schließlich auch. Ist ja unser Job alles zu bewachen. Anfangs haben wir den Hund einfach nur schwanzwedelnd (im Gleichtakt) angestarrt. Aber jetzt wissen wir auch was man dann macht, nämlich wie wild auf den Hund zu springen und mitbellen. Das macht Spaß und wir sind vorher immer schon ganz aufgeregt. Wir kennen unser Revier und wissen, wo die anderen Hunde wohnen. An der Straßenecke wohnt ein ganz unfreundlicher Bernhardiner. Wenn ich den mal erwische, wenn nicht die Gartenmauer dazwischen ist, dann werden ich den in der Luft zerreissen. Püppi hilft mir bestimmt dabei. Gegenüber wohnt ein Husky. Den mögen wir, spielen ein bisschen mit ihm und laufen zusammen den Gartenzaun entlang.

Was Pflegemutte Sorgen machte, war dass Püppi immer so langsam ist. Abgesehen davon, dass Pekinesen keine großen Läufer sind und wir Gassi gehen nicht gewöhnt waren, war sie extrem langsam. Das hat Pflegemutti der Tierärztin gesagt. Die hat das Herz abgehocht und was sie da hörte gefiel ihr nicht. Püppi wurde geröntgt, da konnte man sehen, dass ihr Herz vergrößert ist. Jetzt bekommt sie täglich Tabletten mit Leberwurst. Das schmeckt gut. Leberwurst gibt`s dann nämlich für alle. Biene und Charly bekommen so auch ihre Herztabletten. Das wäre ja zu dumm, wenn ich nur zugucken müßte. Nun geht es Püppi besser. Sie läuft auch besser.

Hat ja am Anfang auch ihren Sturkopf durchsetzen wollen. Wenn sie nicht weitergehen wollte, hat sie sich einfach auf den Rücken gelegt. Später hat sie sich nur noch hingesetzt und jetzt bleibt sie stehen, wenn sie nicht weiter will. Endlich ist Pflegemutti dahinter gekommen, wie man Püppi dazu überredet zu kommen. Sie zeigt ihr ganz einfach ein Leckerchen und gibt es ihr natürlich auch. Und weil Püppi ganz scharf auf Leckerchen ist, ist KOMM jetzt auch bei Püppi KOMM. Das wurde ja auch Zeit, dass Pflegemutti das geschnallt hat. Menschen lernen manchmal ganz schön langsam.

Einmal ging es mir richtig schlecht. Das muß ich euch erzählen. Als ich hier ankam, habe ich meine Blutung bekommen. Das ist bei Hundedamen so. Pflegemutti hat sich nur gewundert, dass sie so schnell wieder weg war, hat sich aber nichts dabei dedacht. Wieso auch, sie kannte meinen Zyklus ja nicht. Das war im August. Im Oktober oder Anfang November wurde ich wieder heiß. Mit allem drum und dran. Da habe ich den Charly vielleicht angebaggert, nach allen Regeln der Kunst. Der ist natürlich voll drauf eingegangen, konnte meinen Reizen nicht widerstehen, obwohl er kastriert ist. Passieren konnte ja nichts, aber wir haben wenigstens so getan. Wenige Wochen nach meiner Hitze wurde ich krank, bekam Fieber und mir ging es überhaupt nicht gut. Auf einmal bekam ich wieder Blutungen, ganz starke, hatte leichte Untertemperatur. Es war, wie es sein muß, Sonntag. Pflegemutti und ihr Mann haben mich zum Tierarzt gebracht. Der Tierarzt hat mein Blut untersucht. Das Blutbild war ganz schlecht. Meine Gebärmutter war entzündet und da waren schon Giftstoffe in meine Blutbahn eingetreten. Der Tierarzt hat mich gleich dabehalten und am nächsten Tag hat er mich kastriert. Die Gebärmutter wäre sonst geplatzt und dann wäre ich gestorben. Pflegemutti war froh, als sie mich mittwochs abholen konnte (ich habe die ganzen Tage am Tropf gelegen) und ich habe mich auch riesig gefreut sie wiederzusehen. Die Frau vom Tierarzt hat mich gelobt, wie brav ich gewesen bin. Die haben mir so ein komisches Ding angezogen, das ich anhatte, bis die Fäden gezogen wurden, damit ich mir nichts aufbeissen konnte. Die Halskrause habe ich mir ohne murren nach dem Fressen immer anziehen lassen und auch ganz geduldig getragen. Pflegemutti fand, dass ich damit richtig niedlich aussehe. Ich war aber doch froh, als ich sie nicht mehr tragen mußte. Von der Operation habe ich mich schnell erholt. Püppi kann das nicht passieren, die ist schon kastriert. Jetzt geht es mir prima. Seitdem spiele ich viel mehr. Ich bin richtig übermütig, wenn ich raus in den Garten darf oder spazieren gehe. Dann zwicke ich die anderen Hunde oder Pflegemutti. Pflegemutti und Püppi sagen dann manchmal: Aua. Verstehe ich gar nicht. Macht doch Spaß. Püppi spielt ja lieber mit ihren Bällen. Denen läuft sie nach, apportiert sie oder schüttelt sie tot. Das Nachlaufen mache ich auch gerne, aber dann lasse ich die Bälle achtlos liegen. Schön ist es, wenn ich Püppi zanken kann und ihr einen Ball vor der Nase wegschnappe. Dann schaut sie mit ihren großen Augen Pflegemutti an, die ihr den Ball erneut wegrollt.

Die Eingewöhnungszeit hat bei uns etwas länger gedauert, aber nach einer Zeit fühlten wir uns hier zu Hause. Wird hier ein neuer Hundeplatz eingerichtet, sei es der Katzenkorb (eigentlich für Welpen gedacht) oder eine zusätzliche Decke, wird er gleich von uns in Beschlag genommen. Höre ich ein Geräusch, dass mir merkwürdig vorkommt, schlage ich sofort Alarm. Beim allgemeinen Begrüßungsgebell, wenn jemand kommt, mache ich auch mit. Püppi steht nur neugierig dabei. Ich möchte gerne selber entscheiden, wer mich streicheln darf oder nicht. Wird erst freundlich mit mir geredet und geht man langsam auf mich zu, dann darf auch vorsichtig gestreichelt werden. Aber wenn einer meint, meine Warnungen ignorieren zu müssen, dann schnappe ich auch mal nach der Hand, ich habe vorher deutlich genug geknurrt. Kommt davon, wenn man kleine Hunde nicht ernst nimmt. Aber das Schnappen ist ja auch nur ein kurzes Abwehrschnappen und passiert ist noch keinem was. Ich bin ja kein Werwolf. Wißt ihr was Püppi macht, wenn man freundlich mit ihr redet? Die legt sich auf den Rücken und wartet darauf, dass man ihren Bauch krault. Das macht sie einfach so, bei jedem.

Abends gehe ich mit Pflegemutti hoch ins Schlafzimmer. Mittlerweile gehe ich sofort in ihr Bett, dann brauche ich das nachts nicht heimlich zu machen. Da kann man prima schlafen, abgesehen von Püppi`s Geschnarche. Und wenn die anderen Hunde morgens zur Begrüßung hoch wollen, lege ich mich auf Pflegemutti drauf, dann kann ich die anderen klasse abwehren. Nur Püppi darf mit oben sein. Aber die anderen drängeln sich einfach auch nach oben. Die werden dann auch noch alle gestreichelt. Gemein ist das.

Ich finde es hier gut. Etwas stört Püppi und mich allerdings. Wir müssen uns das Heim immer mit anderen Hunden teilen. Andauernd kommt noch ein Hund dazu, hat man sich an den gewöhnt, geht er wieder. Nach einer Zeit kommt wieder ein Hund.......... Der David war bald vermittelt, nachdem wir hier eingezogen sind. 3-4 Wochen später ist Sonja, 8 Mte. da. Die war ganz nett, war aber nach zwei Tagen schon wieder weg. 11 Tage später steht Jupp, 4,5 Mte. auf der Matte und ist nach einer Woche schon vermittelt. Zwei Wochen später, Überraschung. Pflegemuttis Mann hat nach der Arbeit Ben und Rex mitgebracht. Zwei ganz große, 8 Mte. alte Schäferhundmischlinge. Die sollten erschossen werden, weil das Tierheim so viel Geld haben wollte, wenn man sie dort abgibt. Waren die vielleicht unerzogen. Aber wir hatten sie, wie immer, gut im Griff. Die durften aber nur bis zum nächsten Tag bleiben, dann wurden sie in eine andere Pflegestelle gebracht und haben auch schon lange ein neues Zuhause. Dann kam Linda, 8 Mte. und hat ein kurzes Gastspiel von drei Tagen gegeben. Wieder drei Tage später, war fast drei Wochen lang die kleine, reizende Lizzy, 4 Jahre, da. Nach einem Monat der Ruhe holen die uns doch die Mara, 10 Wochen, nach Hause. Das war ein Wirbelwind. Sie hat ihr Geschäft noch in der Wohnung erledigt. Manieren sind das. Nach zwei Wochen waren wir den Quälgeist wieder los. Hatten einen Tag vorher aber schon den nächsten hier. Max, 11 Wochen, (und hat anfangs noch mehr in die Wohnung gemacht als Mara) war aber wesentlich ruhiger als sie. Er war auch zwei Wochen hier. Endlich war wieder Ruhe eingekehrt. Drei Tage später, mittlerweile haben wir den 24.01.99. Da kam der Hammer! Timmy, 1,5 Jahre, ein Eurasiermischling, fast so groß wie eine Schäferhündin. Ich will gleich vorwegschicken, der ist immer noch hier. Die Zweibeiner sagen ja, er ist lieb, nett, anhänglich, verschmust und gut erzogen. Uns Hunden gegenüber hat er kein Benehmen. Der hat mich doch tatsächlich gebissen. Er ist nämlich eifersüchtig auf mich, weil ich immer zu Pfelgemutti will. Die hat er am liebsten auch nur für sich. Das hat wehgetan und geblutet. Habe ich vielleicht gezittert. So schlimm, dass es behandelt werden mußte war es Gott sei Dank nicht. Nachdem Pflegemutti mich untersucht hatte (sie hat auch gezittert, das habe ich gespürt), habe ich mich in ihrem Bett versteckt. Das habe ich die nächsten Tage immer so gemacht, wenn Timmy vom spazierengehen rein kam. Wenn wir alleine zu Hause waren, war Timmy im Wohnzimmer eingesperrt, damit mir nichts passieren konnte. Mittlerweile weiß er aber, dass er so nicht mit mir umgehen darf. Ich fordere ihn sogar ganz kess zum spielen auf. Springt er aber dann los, ist mir das doch zu wild und mache einen Rückzieher. Püppi ist schon von ihm umgeschmissen worden, weil er so ungestüm ist. Timmy wollte auch mal Püppi beissen, als am Garten ein anderer Rüde entlang lief. Aus lauter Frust, weil er sich nicht auf diesen Hund stürzen konnte, ging er auf Püppi los. Da hat Charly ihn sofort zurechtgewiesen. (Charly ist der Boß und darf Timmy alles sagen). Pflegemutti hat Timmy auch zusammengestaucht, das hat gewirkt. Ach ja, Charly und Biene sind selbstverständlich immer hier. Das sind die "Eigenen".

Wie ihr seht, sind die jüngeren Hunde, bis auf Timmy, immer sehr schnell vermittelt. Da haben wir leider schlechtere Karten.

Weihnachten haben wir bei Pflegemuttis Eltern geschlafen, weil die Familie nach Belgien gefahren ist. Mitnehmen konnten sie uns nicht, weil wir das Autofahren nicht so gut vertragen, besonders Püppi nicht. Sie hat zwar jetzt ein Medikament dafür, aber ob es wirkt, konnte noch nicht getestet werden. Pflegemutti fährt nämlich nicht Auto und ihr Mann ist seit Anfang März in Bosnien als Soldat. Jetzt hat Pflegemutti ganz schön viel um die Ohren. Auf jeden Fall hat das sehr gut geklappt bei den Eltern. Die haben kaum gemerkt, dass wir da sind. Letztens war die Familie auf einer Kommunion, da konnten wir natürlich nicht mit. Mit 5 Hunden in die Bahn, in die Kirche, ins Restaurant....Da waren wir bei Sheela`s Familie. Die fanden uns auch ganz lieb und sind gut mit uns zurechtgekommen.

Also ein Zuhause, wo es ruhiger zugeht wäre wirklich nicht schlecht. Mein Bettchen bringe ich auch mit, nur für den Fall, dass in deinem Bett kein Platz für mich ist.

Gezeichnet: Tatjana of Mayflower genannt Mignon

stellvertretend auch für Püppi of Mayflower genannt Püppi

im April 1999