Kurt

Es fällt mir so schwer, dieses Bild zu sehen und schreiben zu müssen, dass Kurt über die Regenbogenbrücke gegangen ist.

Er war einer der Hunde, die auf Istanbul’s Straßen herumirren. So viele von ihnen werden bei Autounfällen verletzt und genauso viele von ihnen erbarmungslos zusammengeknüppelt. Kurt, mit gerade mal sieben Monaten noch ein Baby, kam am 11. April 2012 zu uns, nachdem er von einer Tierschützerin mit zertrümmertem linken Hinterlauf gefunden wurde. Die türkischen Tierärzte fanden keine andere Möglichkeit als das Bein zu amputieren. Viele unserer Schützlinge laufen auf drei Beinen durchs Leben, also spielte das für uns keine Rolle. So ein lieber, bescheidener Hund, wir alle schlossen Kurt sofort ins Herz. Schnell stellte sich jedoch heraus, dass er auch große Probleme mit dem rechten Hinterlauf hatte, er konnte nur schlecht laufen und setzte sich unterwegs immer wieder hin. Also vereinbarten wir einen Termin zum Röntgen bei unserem Tierarzt, der würde schon eine Lösung finden, so dachten wir. Vielleicht wäre es ja möglich, ihm eine neue Hüfte zu implantieren, das hatte bei unserem Tyler ja auch so prima geklappt.

Am 26. 04. war Röntgentermin und danach war alles anders. Becken und Hüfte waren vollkommen zertrümmert, kein heiler Knochen war mehr zu finden, und das Schlimmste war, dass uns der Tierarzt sagte, dass Kurt furchtbare Schmerzen hatte. Dieser tapfere junge Hund hatte uns das nicht merken lassen, er war immer freundlich und lieb, bemühte sich so sehr, alles richtig zu machen und freute sich über jede Streicheleinheit. Dr. Navarra teilte uns mit, dass keine Chance bestand, Kurt zu helfen, keine Möglichkeit, da noch irgendetwas durch eine Operation zu richten, um ihm die schlimmen Schmerzen zu nehmen.

Wir waren wie erschlagen von dieser Nachricht. Voller Hoffnung waren wir mit ihm zur Praxis gefahren und dann diese unfassbare Nachricht. Dr. Navarra gab uns Kurt erst einmal wieder mit, weil er auf unseren Wunsch hin die Röntgenaufnahmen noch mit seinem Kollegen Dr. Pingen besprechen wollte.

Mit wenig Hoffnung und so schweren Herzens fuhren wir am nächsten Morgen, 27. 04., wieder mit Kurt zur Praxis. Wie eigentlich nicht anders erwartet, geschah kein Wunder, auch Dr. Pingen sagte uns, dass es keine Hilfe für unser Baby gebe und wir ihn gehen lassen müssten. Natürlich wissen auch wir, dass man Tiere, wenn sie unheilbar krank sind, loslassen muss, das haben wir schon oft genug erlebt. Aber diesen junge Hund, dessen Leben noch gar nicht richtig angefangen hatte, der noch nie in einem liebevollen Zuhause erleben durfte, dass das Leben so schön sein kann, über die Regenbogenbrücke zu schicken, überstieg auch unsere Kraft, wir können gar nicht mehr aufhören, zu weinen. Wie sehr hätten wir und alle Gassigänger und Helfer ihm gegönnt, ein Zuhause zu haben und geliebt zu werden.

Mach’s gut, Kurt, da oben und grüße alle unsere verstorbenen Schätzchen von uns.