Karlo aus Polen

 

Wir möchten Ihnen eine Geschichte erzählen, und zwar eine, die sich genauso zugetragen hat:

Eine sehr engagierte Tierfreundin, die schon vielen wirklichen Hunde-Notfällen von überall her geholfen hat, sah das Bild eines gelähmten Schäferhundes, der in einem Tierheim in Polen an einer Kette gehalten wurde. Man stelle sich vor, ein gelähmter Hund, der sich nicht fortbewegen konnte, in Kettenhaltung ! Der Tierfreundin tat das Herz weh, als sie das Elend dieses Tieres sah und so beschloss sie, dass sie alles daran setzen wollte, um ihm zu helfen. Sie setzte Himmel und Hölle in Bewegung, um einen Platz auf einem Gnadenhof für ihn zu finden, und das gelang ihr schliesslich auch. Die Freude war gross, der Hund konnte kommen. Nun war dieses polnische Tierheim nicht 200 km, auch nicht 500 km, sondern 1.400 km von ihrem Wohnort entfernt. Einen Flugpaten zu finden war illusorisch, also bat die Tierfreundin einen Freund, diese Strecke zu fahren, um den Hund nach Deutschland zu holen. Ein zweiter Freund sollte mitfahren, der dann aber, als es darauf ankam, absagte. Also fuhr ihr Freund alleine diese weite Strecke nach Polen. Mit dem Tierheim verabredete sie einen Termin für die Abholung, mit dem Tierarzt ihres Vertrauens (und auch unseres Vertrauens) einen schnellen Termin zur Untersuchung des Hundes, wenn er dann in Deutschland angekommen sein würde. Eine Pflegestelle für die ersten Tage war organisiert, nach dem Tierarztbesuch sollte er zum Gnadenhof gebracht werden.

 

Der Freund fuhr, das Auto bis oben hin beladen mit Futter für's Tierheim in Polen, los und kam nach vielen Stunden dort an. Die Freude war gross, der Hund, nennen wir ihn Karlo, durfte nach Deutschland fahren und gutes Futter für die vielen anderen Hunde war natürlich sehr willkommen. Mann und Hund machten sich auf den langen Weg. Unglücklicherweise gab der Turboantrieb seines Autos unterwegs den Geist auf, so dass der Freund gerade mal mit Tempo 100 die vielen Kilometer fahren konnte und natürlich dauerte nun alles noch viel länger. Nach vielen Stunden kamen die beiden an einem Sonntag im August in der Pflegestelle an, dort sollte Karlo über Nacht bleiben. Er bekam ein weiches Lager auf dem Fußboden, sein „Pflegepapa“ schlief mit ihm auf der Erde, diese Zuwendung durch einen Menschen hatte Karlo sicher auch noch nicht erlebt.

 

Am nächsten Morgen ging's zum Tierarzt, der Karlo untersuchte. Man wollte wissen, ob an seiner Lähmung vielleicht doch noch etwas zu machen wäre. Dann die niederschmetternde Diagnose: Karlo litt an einer kompletten Lähmung der Hinterhand und der Blase. Der Tierarzt zapfte aus seiner Blase ca. 2 Liter braunen Urin ab ! und stellte die Diagnose „Degenerative Myelopathie“. Diese Erkrankung ist nicht heilbar und progressiv. Welche Schmerzen muss dieser arme Hund gelitten haben. Alle, die Tierfreundin, die ihn nach Deutschland holen liess, der Freund, der ihn gefahren hatte, der „Pflegepapa“ und der Tierarzt waren erschüttert. Viele Tränen flossen, auch die erwachsener Männer, als sie erfuhren, dass es keine Alternative zur Euthansie gab. Es gab nur die Möglichkeit, Karlo von seinen Leiden zu erlösen. Endlich war er in Sicherheit und alles war umsonst. Nein, nicht umsonst, der letzte Dienst, der ihm erwiesen werden konnte, war, ihn über die Regenbogenbrücke gehen zu lassen, dorthin, wo er keine Schmerzen mehr hatte. Karlo schläft nun im Garten des „Pflegepapas“.

 

Damit ist diese Geschichte aber noch nicht zu Ende. Die „Tierschützer“ aus Polen haben die Stirn besessen, den Freund, der Karlo aus Polen geholt und alles auf sich  genommen hat, nun öffentlich zu beschimpfen und des Hundehandels zu bezichtigen. Ihm wird unterstellt, Geld mit dieser armen Kreatur verdient zu haben, weil er ihn, wie man ihm vorwirft,  „ausgeschlachtet“ habe... und “der Organhandel boomt“. Es ist nicht zu fassen, da liegt ein gelähmter Hund an der Kette, wird nicht tierärztlich versorgt, dann erbarmt sich jemand und tut alles, um ihm zu helfen und bekommt dann einen Schlag ins Gesicht. Schämen sollen sich diese angeblichen Tierschützer, die diese unglaublichen Vorwürfe erheben. Ich kenne alle hier in Deutschland Beteiligten seit vielen Jahren, den Fahrer, den Tierarzt, den Pflegepapa und die Tierfreundin, die alles in Rollen gebracht hat und bin entsetzt und fassungslos, wie man diesen wirklichen Tierfreunden diese entsetzlichen Vorwürfe machen kann und sich erdreistet, Namen in Verbindung damit öffentlich zu machen. Es liegt erstens ein Übergabevertrag  des polnischen Tierheims, in dem die Übereignung des Hundes schriftlich fixiert ist und zweitens ein tierärztliches Attest des Tierarztes vor, in dem dieser bestätigt, dass der Hund nicht mehr zu retten war und nur die Euthanasie blieb, um ihn zu erlösen. Da reissen sich alle die Beine aus, um zu helfen und werden dafür mit Vorwürfen und Beschimpfungen überschüttet. Pfui Teufel !

Ulla Uth, Tierschutzverein Menschen für Tiere e. V. Nümbrecht (die auch beschimpft wurde, der das aber vollkommen gleichgültig ist)

 

Das schrieb die Tierfreundin, die dafür gesorgt hatte, dass Karlo kommen konnte, in einer Mail an mich:

 

Vielleicht denkt jemand an die Menschen, die dem gelähmten Hund, über den ich in einem Verteiler erfahren habe, helfen wolten.

Tagelandes Bangen, wie wir den Hund holen, um ihn in die Arme nehmen zu können, grosse Freude, wir können es kaum selber fassen, es gibt eine Rettung für ihn.

Schlaflose Nächte sind darüber vergangen. Dann der Tag, wo J. losfährt und ihn holt.

Er kommt nach 32 Stunden mit ihm nach Hause.

Bei R. hatte er eine schöne Nacht, da ich glaube, dass in seinem Hundeleben noch nie jemand auf dem Boden bei ihm gelegen hat.

Wir sind am Tag darauf zum Tierarzt, um so schnell wie möglich Karlo medizinisch Erleichterung zu verschaffen und die weitere Behandlung zu besprechen. Mein Bruder wollte ihn für immer behalten und ihm ein schönes Leben geben.
Wir haben in die Augen dieses Hundes gesehen, wieder schlaflose Nächte mit vielen Tränen, vieleicht denkt auch jemand mal darüber nach

E.