Happy End
für 4 Samtpfoten

 
Vorgeschichte:

Eine Freundin rief uns im Februar 2007 an und bat um Rat und Hilfe für vier Katzen, die unter erbärmlichsten Umständen ihr Leben fristen mussten. Sie vegetierten in einem Restaurant als Mäusefänger und bekamen nur Tritte und kein Futter. Es waren (und sind) sehr scheue Tiere, die mit den Menschen nichts zu tun haben wollen. Wen sollte das wundern ? Die Freundin hat ein Gartenhaus, dort sollten sie unterkommen.

Unsere Freundin schreibt hier wie ihr der Schnabel gewachsen ist, zur Geschichte der Katzen:

... Ich hab mich natürlich auch mit dem dort arbeitenden Personal unterhalten. Mein Mann erzählte mir recht schnell, nachdem er dort seinen Posten als Koch angetreten hatte, dass die drei iranischen Chefs sich dort Katzen hielten, um die Mäuse zu jagen, die sich in Küche und Restaurant breitgemacht hatten.
Die Sauberkeit in dieser Küche und im Keller war unter aller Sau. Man weiß ja, was Köche bei der Arbeit anhaben. Weiße Jacke, schwarze Hose, Vorbinder. Jeden Tag, den er von der Arbeit kommt, sind die Jacken verdreckt und stinken, die Hosen können allein in der Ecke stehen. So lang er dort arbeitet, so lang schrubbt er dort schon. Es arbeiten 4 Köche dort, 3 Spüler, und er kommt dreckig und stinkend nach Hause.
 
Er hat damals seinen Chef angesprochen auf die Katzen, denn sie waren am schreien vor Hunger. Der Chef sagte, er solle ihnen kein Futter geben, da sie Mäuse fressen sollten. Mein Mann sagte, dass die Katzen die Mäuse nur töten würden und Hunger hätten. Chef meinte, dann hätten sie Pech gehabt.
Mein Mann nahm dann heimlich jeden Tag etwas Trockenfutter mit und gab es ihnen heimlich, dabei sah er, wie erbittert sie darum kämpften. Dann überredete er den kleinen Chef, ihnen abends doch eine Krakauer Wurst zu geben, denn abends waren sie nur am jammern. HUNGER!!! Der große Chef kriegte das mit und drohte mit Kündigung. Mein Mann machte weiter. Immer wieder bekam er mit, wenn um 1 Uhr nachts der letzte Gast raus war, wie großer Chef in die Kammer ging, mit Besen bewaffnet und scheuchte die Katzen in die Küche und Restaurant.
Die Kammer besteht aus ca. 10 qm mit Eismaschine und Sicherungskasten, Müll. Es stank dort, weil kein Katzenklo da war (Chef wollte keins.. zu teuer). Es war dort kein Wassernapf (brauchen sie nicht). Ab und zu machte mein Mann auch dort sauber, aber das durfte keiner mitkriegen.

Wenn morgens der erste den Laden betrat, scheuchte er sie mit dem Besen wieder zurück in die Kammer. Und wenn Chef kam und sah, dass sie ins Restaurant geschissen hatten, kriegte er schlechte Laune, ging mit dem Besen in die Kammer und dann kriegten sie den Rest. Wenn’s ging, wurden sie auch getreten.
 
Vor ca. 2 Jahren hatte das Gewerbeaufsichtsamt das mit den Katzen mitgekriegt, 2000 Euro Strafe, und Haltungsverbot. Es passierte sonst nichts. Den Chefs war’s egal. Portokasse.
 
Ende letzten Jahres wollten sich alle Gastronomen der Freiwilligen Selbstkontrolle unterwerfen,
H C C P  heißt das. Wenn man dort beitritt, bekommt man Zertifikate, die ausgehangen werden, damit die Kunden sie sehen. Außen hui, innen pfui. Man wird aber regelmäßig kontrolliert.
Mein Mann redete sich seinen Mund beim kleinen Chef fusselig, aber er bekam von ihm die Erlaubnis, die Katzen einzufangen. Wobei der große Chef meinte, Umbringen wäre geiler  (hat er auch in meinem Beisein geäußert), der ist echt das letzte.


Die Freundin holte sich zwei Fallen und Transportboxen bei uns, wir informierten den Tierarzt über vier anstehende Kastrationen und los gings.


Dann kam der Tag des Einfangens. Ich rappelte mit den Lebendfallen an, Futter rein und die erste Falle ging auf die Kegelbahn. Es dauerte keine 5 Minuten, bis die erste sich satt fraß.
Die zweite Katze in der Kammer ging auch recht schnell hinein, es war die große Tricolor, neugierig, aber nach kurzer Zeit auch satt.
 
Beim Rausbringen der Katzen zum Auto raste der große Chef immer neben mir her und schlug auf den Käfig ein, ich hab versucht ihn abzuwehren, hab auch nach ihm geschlagen, auch getroffen. Aber er ließ nicht locker.
 
Bei den zwei Kleinen dauerte es lääänger, sie waren total verschreckt, noch mehr als sonst, aber hungrig.
Es klappte aber, und beim Rausbringen wieder das Nebenhergerenne vom Chef, der auf den Fangkorb schlug und die kleinen Katzen endgültig ausflippten. Sie schrien und schlugen, ich hätte heulen können. Brüllte aber nur noch den Kerl an, der sich dann auch über mich lustig machte. Mein Mann erzählte es mir später.
Am selben Abend erzählte mir eine Kellnerin noch von 3 Nachwüchsen im Luftschacht. Ich hab noch 14 Tage gesucht. Aber ich glaube, jemand war schneller als ich...
 
Der Tierarzt, der sie anschließend kastrierte (alle vier sind Mädels) und behandelte, wünschte mir viel Glück.
Alle waren kurz vor dem Verhungern, voller Würmer und Flöhe. Er hat sie umfassend behandelt. In den ersten Tagen
musste ich Katzen-Muttermilch-Ersatz geben, damit sie überhaupt durchkamen. Normales Katzenfutter vertragen sie nicht.
Aber das kriegen wir schon hin.
 
Die zwei großen Katzen genießen mittlerweile ihre Freiheit schon, halten sich aber von Menschen fern.
Die zwei kleinen Katzen fristen noch ihr Dasein unterm Herd. Es ist so schwer, sie da rauszulocken.
 
Die großen kommen angerannt, wenn ich komme und freuen sich auf Futter.
Die kleinen sind ganz still, sie kommen erst raus, wenn ich weg bin.
 
Ich hoffe, sie werden wenigstens zu mir etwas Vertrauen fassen. Ich brauche viel Geduld und manchmal könnte ich heulen, weil sie so ängstlich sind.  

Die Futternäpfe sind nun immer reichlich gefüllt

Dieses schöne, isolierte Katzenhaus mit Fenstern und Katzenklappe hat ein lieber Tierfreund für die vier gebaut. Sogar eine Adresse hat er aufgemalt “Katzenweg 4”.

31. 03. 2007

...Die Damen haben sich voll erholt: schöönes dichtes Fell, alle Wunden abgeheilt, und schöön
Gewicht zugelegt. Die sehen Klasse aus, und sind fit wie Turnschuhe. Die
flitzen durch die Gärten....super Klasse.

Felix, Sheba etc., alles nicht gut genug für sie, futtern sie nicht. Nur Peterle und Selbstgekochtes wollen sie.

Mein Gartenhaus haben sie auch gut im Griff. Das ist ihr Zuhause. Nur meine Arbeitsklamotten dürfen aus dem Bett liegen, alles andere fliegt runter.

Viele liebe Grüße