Biene

Ende des Jahres 2006 bekamen wir die Nachricht, dass vier Katzen nach einem Umzug in Waldbröl (Oberberg. Kreis) zurückgelassen worden waren. Und diesmal nicht, wie so häufig, im Haus; sie wurden einfach in den Garten ausgesperrt. Die damalige Besitzerin der Tiere ging dann noch ab und zu dorthin, um den Tieren Futter zu bringen, aber hinein konnten die Stubentiger nun nicht mehr. Wir versprachen zu helfen und machten uns auf den Weg, vorsichtshalber mit Fallen und natürlich Futter. Wir deponierten alles auf der Terrasse und warteten und warteten und froren und froren. Nix, keine Katzen zu sehen. Am nächsten Tag also wieder hin, bewaffnet mit heissem Kaffee und eingerichtet auf eine lange Wartezeit. Wieder nix. So ging’s ein paar Tage und dann, als wir schon nicht mehr daran glaubten, ging uns ein stattlicher roter Kater in die Falle und dann noch ein schwarzes Kätzchen. Da wir keine Pflegeplätze mehr frei hatten, baten wir ein Tierheim in der Nähe um Hilfe und durften die beiden dorthin bringen. Sie waren selbstverständlich nicht kastriert, das wurde umgehend erledigt. Eine unserer Tierschützerinnen, unsere Gisela, fuhr von da an jeden Tag zum leerstehenden Haus, um die beiden anderen Katzen auch noch einzufangen und ins Warme zu bringen. Inzwischen hatten wir Kontakt mit den Hauseigentümern aufgenommen und gebeten, uns einen Schlüssel auszuhändigen, damit Gisela wenigstens ein wenig Schutz vor der Witterung hatte und nicht erfror. Das klappte dann auch. Sie deponierte also einen Stuhl im Haus am Fenster und die Falle vor dem Haus auf der Terrasse. Tagelang tat sich nichts. Die beiden, noch eine rote und eine schwarze Katze, schlichen um die Falle herum, gingen aber partout nicht hinein. Nach vielen Tagen erwischte Gisela dann doch die schwarze und brachte sie in Sicherheit. Alle drei Katzen stellten sich als vollkommen zahme Tiere heraus.

Nun war nur noch ein rotes, offensichtlich sehr junges, Kätzchen dort.
Mit viel Geduld brachte Gisela sie so weit, dass sie nicht mehr wegflitzte,
sobald sie sich ihr näherte, konnte sie sogar vorsichtig streicheln. Wollte sie auch ganz mutig hochnehmen, um sie in den Korb zu setzen - und wurde schlimm gebissen. Feierabend, das Vertrauensverhältnis war erst einmal gestört. Gisela gab nicht auf, fuhr immer noch jeden Tag, ob Werktag oder Feiertag, dorthin, um die Kleine zu füttern und zu locken, richtete ihr ein isoliertes Häuschen als Unterschlupf ein.
Das nahm die clevere Katze gerne an, dachte aber weiterhin nicht daran, sich einfangen zu lassen. Gisela fuhr über viele, viele Wochen bis ca. Mitte Februar 2007 täglich zum Haus und gab nicht auf.
Und siehe da, eines Tages im Februar rief sie uns freudestrahlend an und berichtete, dass es ihr endlich gelungen war, die Kleine in den Korb zu bugsieren. Sie wurde zum Tierarzt gebracht, kastriert, entfloht und entwurmt und zog dann erst einmal bei Gisela ins Gästezimmer ein. Nach kurzer Zeit hatte sie sich eingelebt, schmuste und schnurrte, was das Zeug hielt und heisst nun “Biene”. Und ja, natürlich ist sie bei Gisela und ihrem Mann und Katze Mohrle, die noch nicht so ganz begeistert ist vom neuen Familienmitglied, geblieben.