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Betty

Wir wollen eine Geschichte erzählen, eine mit Happy End. Eine, die wir bis jetzt nicht öffentlich machen wollten.

Vor mehreren Wochen wurde eine Freundin von einer Hundebesitzerin gefragt, ob sie eine Hündin für einige Zeit in Pflege nehmen könne, weil sie im Moment obdachlos sei, bei Freunden zwar übernachten, aber ihre Hündin nicht mitbringen dürfe, die müsse im Auto schlafen. Die Freundin nimmt öfter solche Notfälle für einige Zeit bei sich auf, hatte Platz und sagte zu. Sie hilft bei uns im Tierheim und bringt ihre eigene Hündin und den jeweiligen Pflegehund dann mit zu uns. So sollte es auch diesmal gemacht werden, sie bat die Frau, Betty, die Labradorhündin, zu uns ins Tierheim zu bringen, sie wollte sie dann nach getaner Arbeit mit zu sich nach Hause nehmen. Soweit alles normal, nix Besonderes.

Wir waren gerade beim Tierarzt als Betty gebracht wurde, einer unseren ehrenamtlichen Helfer war im Tierheim, rief uns an und sagte, dass wir uns auf etwas gefasst machen sollten. Wir kamen im Tierheim an und dachten, dass uns einmal wieder der Schlag treffen würde. Betty war da, war „hinter der Theke“ (das ist bei uns im Haus und war einmal das Büro). Da stand kein Labrador, sondern ein Skelett, eines, das bis auf die Knochen abgemagert war, Betty war dem Hungertod näher als dem Leben.
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Die Besitzerin, die wir ja leider nicht mehr angetroffen hatten, berichtete, dass die zehnjährige Hündin kein Futter vertrage, angeblich irgendwas im Park gefressen habe und daher ausschließlich vegan ernährt werde. Sie brachte auch das „Futter“ mit, Reis, Äpfel, Möhren !
Wir begannen natürlich sofort, Betty zu füttern, ganz vorsichtig mit einem Spezialfutter, Gastro Intestinal für Hunde mit Magen-Darmproblemen. Man kann sich kaum vorstellen, wie Betty sich darüber hermachte, sie bekam nur kleine Portionen, um den Magen/Darm nicht zu überfordern. Und nix mit Erbrechen etc. ! Es wurde sofort Anzeige wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz erstattet, Betty am nächsten Tag dem Tierarzt vorgestellt, der attestierte, dass sie stark untergewichtig sei und eine heftige, eitrige Ohrenentzündung hatte. Betty wog noch ca. 18,5 Kg, Normalgewicht bei einer ausgewachsenen Labradorhündin liegt bei 25, 26 Kg. Das ließen wir uns schriftlich bestätigen und präsentierten das dem zuständigen Amtsveterinär. Der kam auch bereits am nächsten Tag, um Betty zu sehen und beschloss, sie umgehend sicherzustellen. Nun musste die Besitzerin von Amts wegen informiert werden, das gestaltete sich schwierig, weil keine Anschrift bekannt war, also wurde der Beschluss öffentlich gemacht. Derweil erholte Betty sich zusehends, nahm zu und wurde mit jedem Pfund mehr auf den Rippen munterer. Vermitteln durften wir sie noch nicht, aber sie war in Sicherheit bei uns, weil sie eben sichergestellt war. Wir stellten Betty noch mehrmals dem Tierarzt vor, trauten uns bei diesen Besuchen kaum ins Wartezimmer mit ihr, weil wir befürchteten, dass die Anwesenden dort uns beschimpfen würden.
Es dauerte und dauerte, bis die Wartezeit für die Zustellung des Beschlusses der Beschlagnahmung vorbei war. Aber wir konnten ruhig sein, die ehemalige Besitzerin hatte keinen Zugriff mehr, da Betty ja sichergestellt war. Noch mehrmals suchte die Amtsveterinärin uns auf, um sich vom Wohlergehen der Hündin zu überzeugen und endlich, am 10. 01. 2017, bekamen wir es schriftlich: Betty war nun beschlagnahmt, an uns übereignet und zur Vermittlung freigegeben, an diesem Tag wog sie stolze 26,5 Kg.
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Sie hat in all der Zeit niemals erbrochen, bekommt inzwischen ganz normales Hundefutter und ist so verfressen wie alle Labbis. Sie ist eine fröhliche Hündin, verträglich mit allen anderen Hunden, sie spielt, rennt, tobt. Und ein Zuhause hat sie auch schon gefunden, ihre Menschen haben sie während der Zeit bei uns ganz oft besucht und warteten mit uns ganz nervös auf die Freigabe. Die ist nun da, und am 14. 1. ist Betty endlich zu ihren Menschen umgezogen.